Der Anfang
Zur Zeit des 1. Weltkrieges begann sich in Kühnhaide eine Gartenbewegung zu entfalten. Dieser bestimmte, was angebaut wurde. Kartoffeln, Rüben und Gemüse, um den Belastungen des Krieges zu trotzen. Im Oktober 1921 begutachteten einige Garteninteressenten das heutige Gelände unseres Vereins. Der Anblick muss nicht gerade der beste gewesen sein. Hügel, Löcher, Binsen und Gestrüpp sowie sumpfige Stellen machten nicht unbedingt Mut für eine Gartenanlage. Man vertagte die Entscheidung und entschied sich schlussendlich doch dafür - mangels Alternativen. Ab 01.01.1922 wurde das Gelände in Pacht an die Interessengemeinschaft übergeben.
Die Ersten, die sich an die Urbarmachung der Grundstücke machten - also die Gründer unserer Anlage waren: Max Neukirchner, Oskar Müller, Hermann Günther, Arthur Herold, Paul Schindler, Karl Schubert, Max Andrä, Otto Fischer, Willy Büttner, Oskar Beuthner, Bruno Weigel, Emil Köhler, Reinhard Köhler, Emil Günther.
So wie das Gelände aussah, gestaltete sich auch die Fruchtbarkeit des Bodens. Das 1922 beschriebene Ernteergebnis von Emil Köhler und Hermann Günther verdeutlicht dies: "30 Pfund Hafer und 3 Bündel Stroh. Dem stand die Aussaatmenge von 50 Pfund Hafer entgegen." Die übrigen Gartenfreunde legten Kartoffeln, aber auch hier entsprach die Ernte keinesfalls den Erwartungen.
1923 wurde die Anlage mit Holz aus dem anliegenden Wald eingezäunt. Ein großer einsetzender Regen bildete im unteren Drittel einen Teich, welcher wie Ölbrühe aussah und fürchterlich stank. Man glaubte die Ursache für die Unfruchtbarkeit gefunden zu haben. Es wurden Gräben zur Wasserableitung ausgehoben, die später zu Steinschleusen ausgebaut wurden. Diese sind auch heute noch größtenteils vorhanden.
Ab 1924 wurde auch das Gelände rechts des Weges erschlossen, Erdhügel und Löcher wurden planiert, Sträucher und gelagertes Gerümpel entfernt.
Die Vereinsgründung - Gartenbauverein Kühnhaide
In der Laube von Bruno Weigel wurde am 29. Juni 1926 der Verein gegründet. In einer Wahl wurden folgende Funktionen besetzt: 1. Vorsitzender Max Neukirchner, 2. Vorsitzender Karl Schubert, Kassierer Oskar Müller, Schriftführer Ernst Bonitz. Der erste Beschluss ist die Festsetzung der monatlichen Steuer, sie beträgt ab 01.07.1926 25 Pfennig pro Monat. Die Vereinsstärke beträgt 25 Mitglieder.
Ab 1928
1928 wird der Bau des Vereinsheims genehmigt, die Einweihung fand vierzehn Tage vor Pfingsten statt. Der Gastwirt Robert Hübner erhält die Schankkonzession für Bier. Elektrisches Licht gab es noch nicht, stattdessen wurde das Vereinsheim mit Petroleumleuchten ausgestattet. Am 12. August 1928 fand das erste Gartenfest mit Festumzug durch den Ort statt. Im Oktober 1928 hatte der Verein bereits 48 Gartenmitglieder.
1931 wurde über die Wassergewinnung entschieden. Südlich des Vereinsheims werden in 60-70 cmm Tiefe Quellen und Sickerwasser gefunden. Dieses soll über Sickerrohre in einen Behälter münden. Von dort solle dann die Wasserleitung geführt werden. 1932 wird der Teich beim Vereinsheims befestigt, vorher handelte es sich nur um einen Tümpel.
Die Kriegsjahre ab 1933
Am 20. Mai 1933 erfolgte eine Generalversammlung mit nur einem Tagesordnungspunkt "Gleichschaltung des Vereines". Historisch bedingt unterwarf sich der Verein der "erzwungenen Unterordnung und einheitlichen Ausrichtung von ... Vereinen... nach den Richtlinien einer politischen Zentralgewalt." Der Verein wird umbenannt in "Kleingärtnerverein Kühnhaide". Die Einführung von "Strafgebühren" nicht Nichtbeteiligung an ausgeschriebenen Arbeitseinsätzen wird eingeführt.
1936 wird der Eingang des Vereinsheim nach hinten verlegt, elf Birken werden angepflanzt. Die Ansiedelung von Fischen im Teich schlägt fehl. In der Chronik wird über eine Mäuseplage berichtet.
1939 sinkt das Interesse am Gartenbau merklich, der nahende Krieg zeigt seine ersten Auswirkungen. Mit zunehmender Dauer wächst die Intensität jedoch wieder. Blumenbeete weichen Kartoffeln und Gemüse.
Die Nachkriegsjahre
Schnell nach Ende des Krieges wird am 16. Juni 1945 ein neuer Vorstand gewählt. In den Jahren danach fehlen bis 1951 Protokolle und Niederschriften. Es ist davon auszugehen, dass die Gartenanlage zu einer Schar von Einzelkämpfern wurde. In der Versammlung am 1. Setember 1951 wurde ein neuer Name für unsere Anlage gesucht, die Wahl fiel auf "Waldfrieden".
1952 wurde zur Erntezeit eine Gartenwache eingeführt, da die Diebstähle von Obst, Gemüse und auch Tabak zunahmen.
1956 wird folgender Beschluss, der heute noch Gültigkeit hat, gefasst: "Mitglieder über 70 Jahre sind von Pflichtstunden befreit."
1959 wird unter großem persönlichen Einsatz (bis zu 300 Arbeitsstunden pro Gartenfreund) das Vereinsheim umgebaut.
Zu 1962 findet sich eine interessante Meldung der Ernteergebnisse des Vereins: 484 kg Erd-/ Stachel-/Johannisbeeren, 734 kg Obst und Gemüse, 1.280 kg Kartoffeln, 204 kg Hasenfleisch, 4.225 Eier, 62 Felle.
Ab 1966 wird das Garten- und Lampionfest zu einem festen Bestandteil im Gartenjahr. Die elektrische Anlage wird überholt, in Eigenregie wird auch Licht in die Lauben gelegt.
Der Garten wird jetzt mehr und mehr zum Ersatz für nicht erhaltene Urlaubsplätze. So verwundert es nicht, dass in den Lauben ohne viel Komfort übernachtet wird. Die Gärtner tauschen Pflanzen und regen sich bei der Gartengestaltung gegenseitig an.
1970 geben die letzten beiden Gründungsmitglieder Emil Köhler und Willy Schubert ihre Gärten auf.
Ab den Siebzigern
1971/72 wird das Wasserleitungssystem erneuert/erweitert, jeweils zwei Gärten erhalten eine Zapfstelle und durch Beziehungen können vierzehn Badewannen (3. Wahl) günstig als Reservoirs beschafft werden. Der Parkplatz wird gebaut.
1974/75 wird das alte Vereinsheim abgerissen und das neue Heim in ca. 7.500 Stunden erbaut.
Im September 1977 erscheint das Fernsehen der DDR und dreht einige Aufnahmen zur Sendung "Du und Dein Garten" mit Erika Krause. Die Gärten haben einen guten Stand, die Anlage ist sauber und bietet den Besuchern einen erholsamen Eindruck. In den Gärten setzt sich das Grillen von Wurst und Fleisch so langsam durch. Man feiert mehr im eigenen Garten.
1978-81 - Die Toiletten werden gebaut. Im Freigelände werden Tische und Bänke aufgestellt.
Die Wendejahre
Wie in allen anderen Bereichen auch gibt es Unklarheiten, Ängste und Verunsicherung. Was wird mit den Pachtpreisen, Mitgliedsbeiträgen, Versicherungen und Ähnlichem? Die Bewirtschaftung des Gartenheims durch die Gartenfreunde wie bisher ist nicht mehr möglich. Nicht jeder Gartenfreund trauert diesen Diensten nach. Ab 1993 betreibt der "Partyservice Hübner" das Vereinsheim.
Die 2000er
2001 wurde das 75-jährige Bestehen des KGV Waldfrieden e.V. begangen.
